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Stichworte:
Qualität im Personalmanagement §
Qualitätswerkzeuge §
QFD §
FMEA §
Führungs-Scorecard §
Personalwirtschaftliche Prozesse §
Mitarbeiterführung.
| Dieses
Kapitel beantwortet folgende Fragen: |
- Was bedeutet Qualität
im Personalmanagement?
- Mit welchen Methoden lässt
sich Qualität im Personalmanagement steuern und verbessern?
- Welche Anforderungen werden
an die Mitarbeiterführung gestellt?
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Der langfristige Erfolg eines Unternehmens wird wesentlich und in
zunehmendem Maße von seinem Mitarbeiterpotenzial bestimmt. Diese
Erkenntnis führt zu der Forderung nach einer bedarfsgerechten Personalarbeit,
die sich an den Anforderungen der Kunden ausrichtet. Das Personalmanagement
hat nicht mehr die isolierte Optimierung einzelner Personalfunktionen
(Personalbeschaffung, Personaleinsatz, Personalführung u.a.), sondern
die Optimierung und ständige Verbesserung der gesamten Personalmanagement-Leistung
vor Ort sicherzustellen. Die Umsetzung dieses neuen Verständnisses
steht ebenso wie die verwendeten Konzepte und Methoden zur Verbesserung
der Mitarbeiterführung im Vordergrund dieses Beitrags. Ziel ist es,
die Mitarbeiterführung durchgängig an den Anforderungen der
Kunden auszurichten.
Anforderungen
an das Personalmanagement
Viele Unternehmen befinden sich gegenwärtig in einer Umbruchsituation.
Der unternehmerische Fokus verschiebt sich auf die kundenbezogenen Dimensionen
Qualität, Innovation und Produktivität. Diese Dimensionen werden
nun vermehrt auch auf indirekte Bereiche übertragen.
Das Personalmanagement muss seine Strukturen ebenfalls unter Qualitäts-
und Effizienzmaßstäben reformieren. Es übernimmt die Aufgabe,
Mitarbeiter und Führungskräfte beim optimalen Einsatz der Leistungsfähigkeit
der Mitarbeiter und bei der Ausrichtung an Unternehmenszielen zu unterstützen.
Damit wird das Personalmanagement zu einer Dienstleistung ähnlich
der (Material-)Logistik: Seine Aufgabe ist die Bereitstellung der richtigen
Mitarbeiter mit der richtigen Qualifikation zur richtigen Zeit. Im Vordergrund
stehen dabei die Anforderungen, die von den Kunden, vom Markt, von der
Unternehmensleitung und von den Mitarbeitern gestellt werden.
Jede Leistung - vor allem die des Personalmanagements - ist letztlich
an ihrem Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens zu messen.
Ziel eines qualitätsorientierten Personalcontrollings ist es daher,
die Bereitstellung der Humanressourcen im Hinblick auf Kundenorientierung
und Wirtschaftlichkeit zu steuern. Die Verschwendung von Mitarbeiterressourcen
ist präventiv zu vermeiden.
| Die
kundenorientierte Personalabteilung |
Die Personalabteilung
als interner Dienstleister bietet verschiedene Service-Leistungen
an, die von Kunden innerhalb und auch außerhalb des Unternehmens
nachgefragt werden. Eine solche kundenorientierte Personalabteilung
hat folgende Aufgaben zu erfüllen [1]:
- Transparenz: Die Personalabteilung
muss Einblick in ihre Produkte und in ihre Aufgaben- und Kompetenzverteilung
geben. So wird sichergestellt, dass der zuständige und kompetente
Ansprechpartner zur Verfügung steht.
- Flexibilität:
Änderungen der Anforderungen der Kunden setzen eine hohe
Anpassungsfähigkeit voraus. Folge der Änderungen sind
neuartige personalwirtschaftliche Aufgabenstellungen (z. B. Employee-Self-Service)
und eine Verkürzung des Lebenszyklus einzelner Personalmanagement-Leistungen.
- Kundennähe: Um
die rechtzeitige Verfügbarkeit entscheidungsrelevanter Informationen
sicherzustellen, sind kurze und vielfältige Kommunikationswege
zwischen der Personalabteilung und der Linie nötig.
- Integration: Um Verschwendung
in Form von Zeitverlusten und Doppelarbeiten zu vermeiden, müssen
funktionale Schnittstellen im internen Leistungserstellungsprozess
abgebaut werden.
- Problemorientierung:
Nicht mehr das funktional getrennte Angebot einzelner Dienstleistungen
steht im Vordergrund personalwirtschaftlichen Arbeitens, sondern
die Leistungserstellung aus einer Hand. Dies lässt sich durch
eine prozessorientierte Organisation erreichen, bei der die Verantwortung
für einen konkreten Prozess in der Hand eines Prozessmanagers
liegt.
- Vernetzung: Die Personalabteilung
muss eine Verbindung zwischen personalwirtschaftlichen Aufgaben-
und Kompetenzbereichen herstellen, damit Entscheidungsträgern
in der Linie komplette Methodenpakete angeboten werden können.
- Vermittlungsfähigkeit:
Entscheidungen in Unternehmen werden von Mitarbeitern getroffen
und betreffen Mitarbeiter. Das Personalmanagement kanalisiert
die vielfältigen Interessen der Kunden, indem es die Bedürfnisse
der Unternehmensleitung, der Fachbereiche, Führungskräfte
und Mitarbeiter aufnimmt und kommuniziert.
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Das Personalcontrolling lässt sich in einen Qualitätsregelkreis,
den PDCA-Zyklus [2] einbinden (Abb. 1). Dieser Regelkreis beginnt mit
der Planung und Entwicklung von personalbezogenen Maßnahmen. Nach
ihrer Realisierung werden die Personalmaßnahmen kontrolliert und
ihre Erfolgswirkung wird beurteilt. Die Abweichungsanalyse dient der Einleitung
notwendiger Korrekturmaßnahmen und Verbesserungen auf Grundlage
des Soll-Ist-Vergleichs.
Ein qualitätsorientiertes Personalcontrolling ist auf Kennzahlen
angewiesen, die mitarbeiterbezogene Leistungen im Unternehmen mit dem
Erfolg verbinden. Damit wird die Bedeutung der Humanressource herausgestellt,
die nicht mehr als Kostenverursacher gesehen wird, sondern als Voraussetzung
für die Realisierung kundenspezifischer Problemlösungen im Unternehmen.
Abb. 1: Der PDCA-Zyklus des Personalcontrollings
| Wie
soll man messen? |
- Oft wird argumentiert, »weiche«
Sachverhalte wie die Mitarbeiterführung seien nur sehr schwer
oder gar nicht messbar. Messen wird deshalb oft mit Maßstäben
verbunden, die sich quantitativ-kardinal in Mark und Pfennig
niederschreiben lassen. Ein Beispiel dafür ist die Messung
des Gewinns oder des Marktanteils.
- Daneben gibt es aber noch
andere Arten der Messung, wie zum Beispiel die ordinale Messung.
Diese Messung ist jedem noch aus der Schulzeit in Form von
Noten bekannt. Das Problem liegt darin, dass man zwar definiert,
»gut« ist besser als »ausreichend«, aber
der exakte Abstand zwischen den Notenstufen bleibt unklar.
- Die dritte Messmethode ist
die nominale Messung, bei der nur zwischen zwei
Zuständen unterschieden wird. Hier geht man beispielsweise
der Frage nach, ob ein Beschwerdemanagement eingerichtet ist oder
nicht.
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Auch Personalmanagement-Leistungen
sind messbar
Um Personalmanagement-Leistungen beurteilen und verbessern zu können,
müssen diese zuerst einer Messung zugänglich gemacht werden.
Ansatzpunkte zur kontinuierlichen Verbesserung der personalwirtschaftlichen
Prozesse bieten sich vor allem dort, wo Verschwendung und Fehlleistung
vorliegen. Diese können sich in Doppelarbeiten, Koordinationsmängeln,
Absentismus und vielem mehr äußern. Eine systematische Verbesserung
der Leistungen des Personalmanagements muss zunächst diese Fehlleistungen
und Verschwendungen identifizieren, um sie anschließend auf ihre
Vermeidbarkeit hin zu untersuchen (Abb. 2).
Dafür stehen einfache und bewährte Methoden aus dem Qualitätsmanagement
zur Verfügung.
Die Anwendung der Qualitätstechniken im wertorientierten Personalmanagement
soll im Folgenden anhand der Leistung »Mitarbeiterführung«
aufgezeigt werden.
Abb. 2: Bestandteile der Personalmanagement-Leistung
Qualität in
der Mitarbeiterführung
Wer etwas verbessern will, muss anfangen, vor allem die Qualität
der Dienstleistung »Mitarbeiterführung« zu messen. Der
Grundsatz »what you measure is what you get«, nach dem sich
nur ändert, was man auch messen kann, ist also auch auf die Mitarbeiterführung
anzuwenden [3].
Die Qualität der Führungsprozesse ist dabei entsprechend dem
Kaizen-Prinzip einer permanenten Analyse und Verbesserung zu unterwerfen.
Dabei hat sich die Leistung der Mitarbeiterführung an den Bedingungen
der Kundenorientierung und an der Vermeidung von Verschwendung zu orientieren.
Schritte zur kontinuierlichen Verbesserung der zu erbringenden Leistungen
sind dabei [4]:
- Problemdarstellung
- Problemursachenanalyse
- Problemlösung und Lösungsüberprüfung
Problemdarstellung
Ziel der Problemdarstellung ist es, Fehler rechtzeitig zu erkennen
und darzustellen. Durch die regelmäßige Erfassung von Qualitätsfehlern
lassen sich die Probleme spezifizieren. Im Bereich der Mitarbeiterführung
bieten sich unter anderem die folgenden Qualitätswerkzeuge an:
- Fehlersammelliste: Die Häufigkeit von Führungsfehlern
lässt sich mittels einer Strichliste leicht visualisieren.
So kann die Führungskraft nicht nur Fehler analysieren, sondern auch
eine Rangliste der häufigsten Führungsfehler ableiten (Tabelle
1).
- Histogramm: Mit Hilfe von Histogrammen lässt sich die
Häufigkeitsverteilung von Führungsfehlern grafisch darstellen.
Die gravierendsten Fehler heben sich in einem Histogramm deutlich anhand
der Säulenhöhe ab.
- Pareto-Diagramm: Eine Abbildung der Fehler in Form eines Pareto-Diagramms
zeigt auch im Bereich der Führung die Gültigkeit der 80-20-Regel:
80 Prozent der Führungsfehler lassen sich auf 20 Prozent der Ursachen
zurückführen. 80 Prozent der Führungsfehler stehen dabei
für die Problemfelder Information und Kommunikation (Abb. 3).
- Mitarbeiterbefragungen: Mit Hilfe von standardisierten, häufig
anonymen Fragebögen können Mitarbeiter ihre Erwartungen und
Bedürfnisse an die Führungskräfte und die Führungsleistung
äußern. Die Mitarbeiterbefragung ist damit ein Frühwarnsystem
und Instrument der Schwachstellenanalyse.
- Mitarbeitergespräche: Mitarbeiter werden als Betroffene
über Führungsstärken und -schwächen befragt. Durch
die Äußerung ihrer Anforderungen gegenüber Führungsleistungen
und die Klärung gegenseitiger Erwartungen kommt es zu einer Verbesserung
der Zusammenarbeit.
- Führungsworkshops: Diese dienen der strukturierten Ermittlung
der Anforderungen der Mitarbeiter an die Führungskraft. Meist sorgen
Moderatoren für einen konstruktiven Ablauf der Beurteilung.
- 360-Grad-Beurteilung: Hier erfolgt nicht nur eine Befragung
durch die Mitarbeiter, sondern auch durch Kollegen und Vorgesetzte der
betroffenen Führungskraft (Abb. 4). Die Aussagekraft lässt
sich durch eine Befragung von Kunden erweitern. Von der Beurteilung
von unten, oben und von der Seite wird ein genaueres Bild über
die Führungsstärken und -schwächen erwartet.
- Management-Audits: Mit Hilfe von Personalmanagement-Audits
lassen sich die personalwirtschaftlichen Leistungen in regelmäßigen
Abständen von wesentlichen Kunden wie der Unternehmensleitung oder
der Fachbereichsvertreter oder von externen und unabhängigen Dritten
bewerten. Diese Bewertung stellt eine Messlatte für den Grad der
Erfüllung von Kundenanforderungen dar (Tabelle 2).
- Diese Konzept lässt sich auch auf den Führungsprozess anwenden.
Die Bewertung der Führungsleistung erfolgt hier mit Hilfe eines
Management-Audits. Dieses stellt in der Regel darauf ab, das Selbstbild,
das jede Führungskraft von ihrer Führungsarbeit hat, mit einem
Fremdbild zu vergleichen. Im Rahmen eines Selbstaudits erhält
die Führungskraft ein Beurteilungsraster für kritische Merkmale
der Mitarbeiterführung. In Fremdaudits überprüfen
Organisationsmitglieder als interne Auditoren oder Unternehmensfremde
als externe Auditoren die Qualität des Führungsverhaltens
im Unternehmen [5].
| Tabelle
1: Sammelkarte für Führungsfehler |
| |
Fehlerart |
Anzahl
der Fehler |
| 1 |
Geringe Information
der Mitarbeiter |
IIIII IIIII I |
| 2 |
Geduld beim Zuhören |
IIIII I |
| 3 |
Unklare Aufgabenerteilung/Zielformulierung |
IIIII III |
| .. |
.. |
|
Abb. 3: Pareto-Diagramm der Führung
Abb. 4: Die 360-Grad-Beurteilung
Problemursachenanalyse
Im Rahmen der Problemursachenanalyse wird der Ist-Zustand mit
dem anzustrebenden Soll-Zustand verglichen. Ihr Kennzeichen ist die Frage,
welche Einflussfaktoren für das Auftreten des Fehlers ursächlich
verantwortlich waren. Die Kenntnis der Abhängigkeiten zwischen verschiedenen
Einflussfaktoren erleichtert dabei wesentlich die Behebung der Fehlerquelle.
Als Qualitätstechniken zur Ursachenanalyse stehen grundsätzlich
das Fünf-Warum-Prinzip und das Ursache-Wirkungs-Diagramm zur Verfügung.
- Fünf-Warum-Prinzip: Bei Anwendung des »Fünf-Warum-Systems«
lässt sich regelmäßig feststellen, dass der eigentliche
Auslöser für eine Prozessabweichung von einer anderen Stelle
(Ursache) ausgeht, als anfänglich vermutet. Indem fünfmal
nach dem »Warum« gefragt wird, kann die Kausalkette bis
zur Fehlerentstehung zurückverfolgt und nach Möglichkeiten
zu deren Beseitigung gesucht werden.
- Ursache-Wirkungs-Diagramm: Das Ursache-Wirkungs-Diagramm,
auch Ishikawa-Diagramm oder Fischgrätendiagramm genannt, bietet
ebenfalls eine einfache und systematische Technik zur Analyse von Prozessabweichungen
(Abb. 5). Mit Hilfe des Diagramms können Beziehungen von Einflussgrößen
(Hauptursachen) sowie weiterer Nebenursachen zu einer Zielgröße
dargestellt werden. So lassen sich beispielsweise Führungsfehler
in einer übersichtlichen Gesamtbetrachtung grafisch strukturieren.
| Tabelle
2: Beispiel für ein Personalmanagement-Audit |
| Inwieweit
erfüllt die Personalwirtschaft folgende Faktoren? |
- Versteht die Ziele des Unternehmens
und kennt die Aufgaben des Managements
- Sorgt für eine Berücksichtigung
der Mitarbeiterperspektive in der Unternehmensstrategie
- Besetzt die Personalabteilung
mit kompetenten Mitarbeitern
- Nimmt aktiv an strategischen
Planungsprozessen teil
- Übernimmt Risiken
- Reagiert umgehend
- Entwickelt personalwirtschaftliche
Ziele unter Berücksichtigung der Unternehmensziele
- macht ihre Hausaufgaben
- Sorgt für kompetente
Unterstützung
- Erforscht Alternativlösungen
für Probleme
- Findet Wege, die die funktionsbezogenen
Interessen mit den Unternehmensbedürfnissen verbindet
- ...
|
| Beispiel
für das Fünf-Warum-Prinzip |
Bei Anwendung
des Fünf-Warum-Prinzips kann eine Führungskraft feststellen,
dass der eigentliche Auslöser für Abweichungen der Personalmanagement-Leistungen
von den Kundenanforderungen meist von einer anderen Stelle ausgeht,
als anfänglich vermutet wurde. Das folgende Gespräch soll
zeigen, wie eine Führungskraft Fehler im Führungsprozess
identifizieren kann, indem sie die Kausalkette bis zur Ursache zurückverfolgt.
Bei den Mitarbeitern einer Abteilung
ist eine auffallend hohe Fehlzeitenquote festgestellt worden. Der
erste Eindruck vermittelt, dass die Mitarbeiter arbeitsscheu sind.
Der Abteilungsleiter möchte jedoch den »wahren« Grund
für die hohe Fehlzeitenquote erfahren und geht den Ursachen deswegen
mit dem Fünf-Warum-Prinzip auf den Grund:
- Warum ist die Fehlzeitenquote
so hoch? Weil die Mitarbeiter mit ihrer Arbeit unzufrieden
sind. Sie haben den Eindruck, dass ihr Fehlen nicht bemerkt wird.
- Warum sind die Mitarbeiter
unzufrieden? Die Mitarbeiter sind unterfordert und haben das
Gefühl, dass ihnen keine Verantwortung für die Aufgabenbearbeitung
zugesprochen wird.
- Warum haben die Mitarbeiter
keine Entscheidungsverantwortung? Die Führungskraft gibt
keine Verantwortung ab. Sie mischt sich ständig in die Aufgabenerstellung
der Mitarbeiter ein.
- Warum mischt sich die Führungskraft
ständig ein? Da die Führungskraft schlechte Erfahrungen
mit der Delegation von Entscheidungen hatte, traut sie den Mitarbeitern
keine Übernahme der Verantwortung zu.
- Warum hat die Führungskraft
schlechte Erfahrungen mit der Delegation? Da die Führung
den Mitarbeitern zwar Aufgaben delegiert, aber keine Kompetenzen
eingeräumt hatte, kam es zu einer schlechten Aufgabenbearbeitung.
Zusätzlich hat der Abteilungsleiter seine Mitarbeiter nur
ungenügend über die Aufgaben informiert.Der Abteilungsleiter
erkennt nach Anwendung des Fünf-Warum-Prinzips, dass die
Ursache für die hohe Fehlzeitenquote in Delegationsmängeln
begründet liegt. Er muss sich nun Gedanken machen, wie diese
Mängel zu beheben sind [3].
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Problemlösung und Lösungsüberprüfung
Im Anschluss an die Problemdarstellung und die Problemursachenanalyse
sind Methoden zu Problemlösung und Lösungsüberprüfung
anzuwenden. Hierzu können die beiden Qualitätstechniken Quality
Function Deployment (QFD) [6] und Fehler-Möglichkeiten-Einfluss-Analyse
(FMEA) [7] verwendet werden.
Quality Function Deployment (QFD): Das Quality Function
Deployment - auch Qualitäts-Funktionen-Darstellung genannt - dient
der Identifikation von kritischen Qualitätsmerkmalen [8]. Das QFD
lenkt die Verbesserungsbemühungen auf die wesentlichen Merkmale,
die zu einer zielgerichteten Verbesserung führen. Darüber hinaus
lassen sich durch eine weitergehende Analyse der ermittelten Merkmale
Verschwendungsrisiken feststellen, die dann zu minimieren sind [9]. Die
Methodik besteht darin, zuerst die Qualitätsmerkmale zu ermitteln.
In einem zweiten Schritt sind die Beziehungen der Kundenanforderungen
und der ermittelten Qualitätsmerkmale zu bestimmen. Diese Beziehungen
und die Richtung der Beziehung (z.B. unterstützend, im Konflikt stehend
etc.) werden in einer Matrix, dem House of Quality, dargestellt. Durch
die Bewertung der Qualitätsmerkmale und der Kundenanforderungen untereinander
lassen sich Prioritäten und Schwerpunkte für zukünftige
Verbesserungen ermitteln (Abb. 6).
Fehler-Möglichkeiten-Einfluss-Analyse (FMEA): Die FMEA ist
eine weitgehend formalisierte präventive Methode, die das Ziel verfolgt,
mögliche Fehler schon vor ihrem Auftreten zu erkennen und durch geeignete
Maßnahmen zu verhindern. Kernstück der FMEA-Methode ist ein
standardisiertes Formblatt, das sich aus drei Bereichen zusammensetzt:
Fehleruntersuchung, Risikobewertung und Optimierung. Angewandt auf die
Mitarbeiterführung benennt der Bereich der Fehleruntersuchung mögliche
Führungsfehler und deren Ursachen. Das Risiko des Fehlers wird mit
Hilfe der Kennzahl »Führungs-Prioritäts-Zahl« (FPZ)
ermittelt. Die FPZ ordnet die Fehler nach ihrer Dringlichkeit. Sie setzt
sich aus der Bedeutung des Fehlers und der Wahrscheinlichkeit des Auftretens
zusammen. Zusätzlich enthält das FMEA-Formblatt den Bereich
der Optimierung. Dieser dient der Suche nach Verbesserungsmaßnahmen
und nach Möglichkeiten der Fehlerprävention [10]. Nach der Durchführung
der Maßnahmen lässt sich anhand der Veränderung der FPZ
ablesen, ob es zu einer wirklichen Verbesserung gekommen ist (Abb. 7)
[11].
Abb. 5: Ursache-Wirkungs-Diagramm (Ishikawa-Diagramm)
Abb. 6: QFD im Personalmanagement
Einen ähnlichen Ansatz wie die FMEA verfolgt die Führungs-Scorecard.
Mit Hilfe einer Führungs-Scorecard lassen sich die Besonderheit der
»weichen Faktoren« der Mitarbeiterführung und die Abhängigkeiten
zwischen verschiedenen Aspekten der Mitarbeiterführung herausstellen
[12]. Die Führungs-Scorecard (FSC) besteht aus vier - auch Perspektiven
genannten - Feldern (Abb. 8):
- Markt (Marktorientierung),
- Unternehmensleitung (Zielorientierung),
- Mitarbeiter (Mitarbeiterorientierung) und
- Verbesserung und Lernfähigkeit (Flexibilität und Innovationsfähigkeit).
Mit Hilfe der FSC lassen sich Verbesserungsbereiche der Mitarbeiterführung
im Unternehmen anhand von Kennzahlen identifizieren und die Fortschritte
der Verbesserungsmaßnahmen gezielt überwachen. Dazu sind in einem
ersten Schritt die Anforderungen der Perspektiven an die Mitarbeiterführung
zu definieren (siehe Abb. 8). Im Anschluss daran müssen die zu erreichenden
Ziele in quantifizierbare Größen umgewandelt werden, mit deren
Hilfe die Mitarbeiterführung im Unternehmen gesteuert werden kann.
In einem dritten Schritt ist für jede verwendete Kennzahl die Ausprägung
festzulegen, die erreicht werden soll (beispielsweise die Steigerung der
Schulungstage zur Mitarbeiterführung auf mindestens vier Tage je Führungskraft
pro Jahr). In einem vierten und letzten Schritt sind dann die Aktivitäten
festzulegen, mit deren Hilfe der gesetzte Zielwert erreicht werden soll.
Die FSC hilft so bei der Einbindung der Dimensionen der Mitarbeiterfähigkeit
in einen Prozess der permanenten Verbesserung. Die Beschränkung auf
wenige, aber wichtige Kennzahlen reduziert die Informationsflut im Unternehmen
auf die für die Mitarbeiterführung wesentlichen Punkte.
Abb. 7: Führungs-FMEA
Abb. 8: Darstellung der Anforderungen mittels einer Führungs-Scorecard
Personalmanagement
und Führung im EFQM-Modell
Personalmanagement-Leistungen lassen sich mit Qualitätstechniken
messen und verbessern. Ein Konzept zur unternehmensweiten Bewertung der
Qualität bietet das Europäische Modell für umfassendes
Qualitätsmanagement (EFQM-Excellence-Modell). Das Qualitätskonzept
stammt von der 1988 gegründeten European Foundation for Quality
Management, die den European Quality Award (EQA) vergibt. Das
EFQM-Excellence-Modell erstreckt sich nicht nur auf die Produktqualität,
sondern auf alle Bereiche eines Unternehmens [13].
Es stützt sich auf neun allgemein gültige Kriterien, die sich
nicht nur auf das gesamte Unternehmen, sondern auch auf Teilbereiche anwenden
lassen. Die neun Hauptkriterien werden in Unterkriterien aufgeteilt. Neben
»harten Faktoren«, wie Nettogewinn und Produktivität
umfassen diese Kriterien auch »weiche Faktoren« wie Mitarbeiter
und Führung (Abb. 9).
Dem Modell der EFQM liegt das Konzept zugrunde, bessere Ergebnisse durch
Einbeziehung aller Mitarbeiter in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess
zu erreichen. Die umfassende Qualitätsbewertung nach dem EFQM-Modell
zeigt, dass auch die meist qualitativen Merkmale der Personalmanagementleistungen
messbar sind. Für das Personalmanagement sind die zentralen Komponenten
des Modells die »Mitarbeiter«, die »Mitarbeiterergebnisse«
und das Kriterium »Führung«. Diese Kriterien erfassen
weite Teile des Personalmanagements in prozessualer und ergebnisorientierter
Hinsicht [14].
Abb. 9: Das Kriterienmodell der European Foundation
for Quality Management
Literatur
[1] Bühner, R.: Personalmanagement. Landsberg/Lech, 2. überarb.
Aufl. 1997.
[2] Deming, E. W.: Out of the Crisis. Cambridge, Mass., 23. printing,
1995.
[3] Bühner, R.: Mitarbeiter mit Kennzahlen führen. Der Quantensprung
zu mehr Leistung. Landsberg/Lech, 4. Aufl., 2000.
[4] Bühner, R.: Personalmanagement in der schlanken Fabrik. In:
Fördertechnik, Zeitschrift für Logistik, Materialwirtschaft,
Transport und Lagertechnik. 66. Jg. 1997 Heft 7, S. 3_10.
[5] Kamiske, G. F./Brauer, J. P.: Qualitätsmanagement von A bis
Z. München u.a., 3. vollst. überarb. und erw. Aufl. 1999.
[6] Akao, Y.: Eine Einführung in Quality Function Deployment
(QFD). In: Akao, Y. (Hrsg.): Quality Function Deployment - Wie die Japaner
Kundenwünsche in Qualität umsetzen. Landsberg/Lech, 1992, S.
15_34.
[7] Ebeling, J.: Die sieben elementaren Werkzeuge der Qualität.
In: Kamiske, G. F. (Hrsg.): Die Hohe Schule des Total Quality Managements.
Berlin, 1994, S. 289_296.
[8] Day, R. G.: Quality Function Deployment - Linking a Company with
its Customers. Milwaukee u.a., 1993.
[9] Breitkopf, D.: Qualität in der Mitarbeiterführung: Quality
Function Deployment als Kommunikations- und Verbesserungsinstrument. Wiesbaden,
1997.
[10] Bühner, R.: Mitarbeiterführung als Qualitätsfaktor,
München, Wien 1998.
[11] Stahl, P.: Die Qualitätstechnik FMEA als Lerninstrument
in Organisationen. Wiesbaden, 1997.
[12] Bühner, R./Akitürk, D.: Die Mitarbeiter mit einer Scorecard
führen. In: HARVARD BUSINESSmanager. 22. Jg. 2000 Heft 4, S. 44_53.
[13] European Foundation for Quality Management: Assessing for Excellence
- a practical guide to self assessment. Brüssel 2000.
[14] Wunderer, R./Gerig, V./Hauser, R. (Hrsg.): Qualitätsorientiertes
Personalmanagement: Das europäische Qualitätsmodell als unternehmerische
Herausforderung. München, Wien 1997.
Zusammenfassung
Die vorgestellten Methoden des Qualitätsmanagements lassen sich
systematisch auf die Bereiche des Personalmanagements übertragen.
Die Qualitätstechniken bieten das Handwerkszeug, um die personalwirtschaftlichen
Prozesse und den Umgang mit den Mitarbeitern ständig zu verbessern.
Damit wird auch der Bereich der Mitarbeiterführung, der häufig
als nicht messbar dargestellt wird, einer Verbesserung zugänglich.
Vor allem aber fördern Qualitätstechniken das prozessorientierte
Denken und kundenorientierte Handeln. Mitarbeiter und Führungskräfte
lernen Fehler zu erkennen, zu analysieren und eine gezielte Fehlerprävention
zu betreiben.
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